Das Relocation ABC

© Mrkvica - Fotolia.com
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Jeder, der sich schon einmal in einem fremden Land neu eingerichtet hat, wird mitfühlen und irgendwie die Aufregung der Zeit nach einem internationalen Umzug als eine außerordentliche Erfahrung im Gedächtnis behalten.

 

Zu den Aufregungen zählen zum einen genau die Momente, in denen man die Umgebung erkundet auf der Suche nach dem besten Orangensaft, deutschem Brot oder Wurstwaren, oder einfach nur geeignete  Unterhaltung, um das Wochenende nicht komplett allein zu verbringen. Dieser Aufbruch und Ausbruch aus dem Alltag zuhause, die Überprüfung der eigenen Grenzen der Toleranz, dieses Gefühl ins kalte Wasser zu springen und der Beweis, dass auch der Mensch ein anpassungsfähiges Wesen ist – all dies ist den meisten Expatriates sicher unvergessen. Viele suchen genau diese Aufregung der Globalisierung immer wieder und bleiben rastlos.

Einige Dinge sind jedoch auch unangenehm und lassen sich durchaus meiden, wenn man deren denn bewusst ist. Aus Erfahrung sollten einige Dinge jedoch durchaus Beachtung finden, um das Neuland somit wirklich zum unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

 

Auf und Ab. Sie empfinden Vorfreude beim Gedanken an den nächsten Besuch in der Heimat oder Ihrer Familie in Ihrem neuen Zuhause? Diese Aufregung kann etwas wunderbares sein. Doch jede Medaille hat ihre Kehrseite und ebenso niedergeschmettert sind Sie vielleicht, wenn es an die Abreise geht. Ich nenne dies „das Leben aktiv zu leben“ – genau dieses Auf und Ab lässt jeden Tag viel aufregender und Ihr Leben viel länger erscheinen. Kein Tag ist wie der andere!!

 

Brot. Egal wohin Sie gehen – nehmen Sie sich Brotmehl mit! Sie werden schnell ein warmes Brot mit Kruste vermissen.

 

Chaos werden Sie die ersten Tage und Wochen mit Sicherheit erleben. Schaffen Sie sich Hilfe durch eine Relocation Checkliste und notieren Sie alle Erledigungen anhand eines Zeitstrahles. Dadurch bekommen Sie den Kopf frei für die naheliegenden Schritte, ohne das grobe Ganze aus dem Auge zu verlieren.

 

Deutschland ist nicht bei allen in der Welt hoch geschätzt und unsere Geschichte ist   unvergessen. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie noch häufiger Diskussionsrunden oder Vorlesungen zum Thema Drittes Weltreich antreffen. Das Thema ist immer noch präsent und eine kleine gedankliche Vorbereitung hilft über so manche direkte Konfrontation hinweg. 

 

Enttäuschung kann meist eintreten, wenn Sie voller Aufregung über Ihre Eindrücke berichten, sobald Sie wieder zuhause sind. Sie werden merken, das Leben ist dort auch weiter gegangen. Nehmen Sie es gelassen, wenn man schnell wieder in den Alltag übergeht und keine Stunden vor den Fotos verbringt.

 

Fremdsprachen lernt man am einfachsten im Ausland! Lassen Sie die Chance nicht vergehen, sich durch lokales Fernsehen, Zeitung, Gespräche etc. der neuen Sprache zu öffnen. Das Unterbewusstsein arbeitet für Sie!

 

Gut Ding will Weile haben. Bleiben Sie geduldig, manche Dinge brauchen einfach Ihre Zeit.

 

Heimat wird sich anders anfühlen. Haben Sie sich über einige Dinge gern aufgeregt, so werden Sie genau diese vielleicht nun positiver bewerten. Ihnen fällt die spezielle Mentalität der Heimat auf? Sie vermissen vielleicht manchmal eine gewisse Flexibilität oder Toleranz? Das ist alles durchaus gewöhnlich und nennt sich Re-Kulturschock.

 

Integrationsbeschleuniger Sport! Durch sportlichen Ehrgeiz, Teams und gemeinsame Ziele überbrückt man schnell und leicht einige persönliche Barrieren. (siehe auch diesen Blog Artikel)

 

Jetlag entgegnen Sie am besten, wenn Sie sich sofort an die neue Uhrzeit anpassen. Also über den Tag wach bleiben, sollten Sie am Morgen ankommen oder direkt zur Ruhe finden, falls Sie nachts anreisen.

 

Aus einer BASF Mitarbeiterwerbung
Aus einer BASF Mitarbeiterwerbung

Kinder sind die besten Lehrer! Nehmen Sie sich Zeit zur Beobachtung, wie einfach und gelassen sie auf andere Kinder zugehen. Sie können Ihrem Nachwuchs nix schöneres mit auf den Weg geben, als eine andere Sprache und Toleranz in Kinderzeiten spielerisch zu erlernen!

 

Langeweile erschlagen Sie am besten mit Spaziergängen in der Umgebung, Sport, Netzwerkveranstaltungen zu Hobbies. Dies sind alles fantastische Möglichkeiten, um in die neue Kultur einzutauchen.

 

Mitglieder verschiedener Kulturen und deren Stärken machen Projekte erfolgreich! Geben Sie dem Argentinier die Aufgabe der Teambildung und dem Deutschen das Zeitmanagement!

 

Nahrung ist ein offensichtlicher Unterschied zwischen Kulturen. Seien Sie offen für Neues, meist verbietet lediglich unsere soziale Prägung („Schlange isst man nicht“) neue Erfahrung. Blockieren Sie neue Eindrücke nicht, aber entscheiden Sie selbstbewusst, wo Ihre persönliche Grenze liegt. Erklären Sie und Sie werden sicher verstanden.

 

Orientieren Sie sich, bevor Sie aktiv werden. So mancher hat Zeit und Ärgernis gespart, weil er sich Zeit genommen hat, die Stadt und ihre Gegend zu erkunden. Sie lernen wo sich sich potentiell am wohlsten fühlen und wählen Ihr Apartment dann mit einem deutlich angenehmeren Gefühl.

 

Pausen sollten Sie ganz bewusst einplanen. In den ersten Tagen und Wochen wird sehr viel auf Sie einwirken. Gönnen Sie sich eine Auszeit, um Eindrücke zu verarbeiten und dadurch zu lernen.

 

Quark werden Sie im Ausland kaum finden, selbst in internationalen Supermärkten nicht. Schließlich hat dieses Wort keine Übersetzung und lässt sich nur schwer beschreiben. Hüttenkäse ist auffindbar und kommt dem Geschmack noch am nähesten.

 

Recycling ist in den meisten Ländern nicht so verbreitet wie in Deutschland. Alternativ können Sie die Umwelt dennoch unterstützen, indem Sie umweltfreundliche Verpackung wählen, lose Ware kaufen, auf Plastiktüten verzichten. Berichten Sie dennoch über die Handhabung in Deutschland und schaffen dadurch Inspiration. Veränderung fängt auch im Kleinen an.

 

Selbstbewusstsein für Ihre eigene Kultur und der lockere respektvolle Umgang bringen Sie überall hin. Seien Sie nicht verunsichert – viele Menschen haben ähnliche Situationen erlebt. Stehen Sie zu kleinen Fehlern, zollen Sie Respekt und zeigen Sie ebenso stolz, wie man es in Ihrem Land handhabt. Eine gute Portion Selbstironie haben schon so manche Situation entschärft.

 

© kozini - Fotolia.com
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Training oder Coaching mit einem interkulturellen Trainer kann Sie auf einige Fettnäpfchen vorbereiten. Schauen Sie nach guten Trainern! Wie erkennen? Schauen Sie im Trainingskonzept nach ausreichend Zeit für Simulationen, Rollenspiele und Perspektivwechsel. Tipps und Tricks allein z.B. das richtige Entgegennehmen von Visitenkarten, kann und wird Sie nicht auf alle möglichen Situationen vorbereiten können.

 

U- Bahnen gibt es in den meisten Metropolen. Schauen Sie in Touristenführer bezüglich einer Nutzung zu später Nachtstunde. Gegebenenfalls hilft eine Orientierung an der Handhabung der Einheimischen immer, um sicher unterwegs zu sein.

 

Visa – Angelegenheiten sollten vorher abgeklärt werden. Die Behörden sind wirklich an ihre Vorgaben gebunden und haben kein Pardon, wenn es darum geht, diese durchzusetzen. Erkundigen Sie sich im Internet oder lassen sich von einem Relocation Consultant beraten.

 

Walk a mile in my shoes. In welcher Situation Sie auch immer stecken, bedenken Sie Ihr Gegenüber und dessen möglicherweise andere Einstellung aufgrund seiner kulturellen Prägung!

 

X-Box 360 gibt es anderswo auch. Bedenken Sie lediglich den richtigen Adapter für die Stromversorgung mitzunehmen.

 

Y-Chromosomen finden Sie zu vermeintlich ähnlichen Anteilen in anderen Ländern. Eine Vorbereitung auf die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau je nach Zielkultur ist durchaus ratsam. Schon manche Missverständnisse ließen sich vermeiden, hätte man sich vorher etwas gebildet.

 

Zahnärzte bedürfen meist einer gesonderten Krankenversicherung im Ausland. Erkundigen Sie sich vor Abreise, welche Versicherung die Dauer Ihres Aufenthaltes abdeckt, welche Leistungen inklusive sind, und wer mitversichert ist.

 

Das Relocation ABC
Eine Sammlung an Hinweisen für die ersten Tage und Wochen in der neuen Heimat.
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